Ein Chor vor der Bewährungsprobe

Das Gespräch führte Sabine Meißner 21. November 2016

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„Herzlich Willkommen zum Projekt ,Carmina Burana‘ im Konzertchor Schweinfurt.“ Mit diesen Worten hatte Matthias Göttemann im Juni die Probenarbeit begonnen. „Das ist ein Chor, den es gestern noch nicht gab“, sagte er damals zu den Sängern. 70 kamen insgesamt in den Konzertsaal de… Foto: Sabine Meissner

In einer groß angelegten Werbeaktion hat der Verein „Liederkranz Schweinfurt 1833“ gemeinsam mit Dirigent Matthias Göttemann für Sänger eines besonderen Projekts geworben. Im Juni nahm der Konzert-Chor, der neben dem bestehenden und regelmäßig probenden Philharmonischen Chor installiert wurde, seine Arbeit auf. Es ist ein Projektchor, für den sich viele Sängerinnen und Sänger aus der Stadt und dem Landkreis Schweinfurt begeistern ließen. Im Juni begannen die Proben, am Samstag, 26. November, hat der neue Chor um 19.30 Uhr seine Bewährungsprobe im Theater der Stadt Schweinfurt – mit nichts weniger als der „Carmina burana“ von Carl Orff und der „Chorfantasie“ von Ludwig van Beethoven. Zwei anspruchsvolle Werke mit großem Orchester.

Frage: Herr Göttemann, Sie beenden demnächst die zweite Probenphase für die „Carmina Burana“, der szenischen Kantate von Carl Orff, die am 26. November zur Aufführung kommt. Wie liefen die Proben bisher?

Matthias Göttemann: Die Proben liefen gut. Natürlich muss man berücksichtigen, dass es sich um ein erstes offenes Projekt

handelt und daher die Fortschritte von Probe zu Probe nicht im gleichen Tempo verlaufen wie bei einem Chor, der bereits aufeinander eingesungen ist.

Zum Konzert-Chor Schweinfurt kamen nach und nach etwa 70 neue Leute. Die Genauigkeit, damit meine ich sowohl das präzise Singen als auch die Ausführung meiner Interpretationsvorgaben, stellte sich ebenfalls nach und nach ein.

Sehen Sie dem Konzert zuversichtlich entgegen?

Göttemann: Ja, unbedingt. Obwohl die Vereinigung von neu hinzu gekommenen Sängerinnen und Sängern mit dem vorhandenen Stamm eine Herausforderung in musikalischer wie in psychologischer Hinsicht bleibt, sehe ich dem Konzert erwartungsfroh entgegen. Die Stimmung im neu formierten Chor ist sehr gut, die meisten lassen erkennen: „Wir wollen das Konzert gemeinsam schaffen!“

Seit die „Carmina Burana“ 1937 in Frankfurt am Main uraufgeführt wurde, sind die Lieder aus Benediktbeuern weltweit unzählige Male aufgeführt worden. Wie wird Ihre Interpretation sein?

Göttemann: Wir werden das „Schicksals-Rad“ nicht neu erfinden, aber wir arbeiten intensiv an einer schwungvollen Interpretation, die rhythmisch mitreißend sein wird, immer der Intention des Komponisten nachspürend.

Aufführen werden Sie mit den Schweinfurter Choristen auch Beethovens „Chorfantasie op. 80“. Proben Sie beide Werke parallel?

Göttemann: Ja, im Konzert werden ja auch beide Werke erklingen und die Zuhörer sollen von der ersten bis zur letzten Minute spüren, dass es zwei Werke sind, die trotz vieler Unterschiede auch Gemeinsames bergen, nämlich die großartige Musik zweier leidenschaftlicher Komponisten. Beethovens Chorfantasie eignet sich zudem bestens als Einstieg. Nach einem Klaviersolo entwickelt sich das Werk bis zum packenden Finale. Darauf folgt Orffs ungestüme „Carmina“ mit ihren sensiblen Partien. Das hätte vielleicht auch den beiden Meistern gefallen, wenn sie zur gleichen Zeit gelebt und sich einander gekannt hätten.

In welcher Fassung werden Sie beide Werke aufführen?

Göttemann: In der originalen, großen Orchesterfassung.

Häufig sind bei Aufführungen der „Chorfantasie“ Chorsolisten zu hören. Wofür haben Sie sich entschieden?

Göttemann: In der „Chorfantasie“ treten sechs Solisten als Ensemble auf, zu denen dann der Tuttichor hinzukommt.

Für die Soli der „Carmina“ haben Sie die Sopranistin Anna Nesyba, den Bariton Heiko Trinsinger und Martin Nyvall für den legendären Tenorpart verpflichtet. Die drei Profis kennen Sie aus früherer Zusammenarbeit, spielte das eine Rolle?

Göttemann: Ich bin sehr froh, genau diese Solisten gewinnen zu können. Mit Anna Nesyba verbindet mich eine jahrelange Zusammenarbeit. Ich freue mich auf ihre jugendliche, sinnlich-lyrische Interpretation der „Carmina Burana“. Mit Heiko Trinsinger durfte ich auch schon mehrere wunderbare Konzerte gestalten. Insbesondere seine Interpretation des Mittelteiles der „Carmina“ ist wunderbar intensiv! Martin Nyvall lernte ich anlässlich eines Konzertes in Friedrichshafen kennen und führte kürzlich mit ihm das „Lied von der Glocke“ von Max Bruch auf. Die Zusammenarbeit mit ihm ist unkompliziert und freundschaftlich. Ich bin sicher, dass alle Drei die Sympathie des Schweinfurter Publikums gewinnen werden.

Werden auch Kinder mitwirken?

Göttemann: Ja, etwa 16 Kinder aus meinem ,Musicalchor junge Stimmen‘, den ich am Schulzentrum in Haßfurt als Unterstufenchor des dortigen Gymnasiums leite, werden die von Orff für Kinderchor vorgesehenen Partien übernehmen.

Als Orchester haben Sie die Nordböhmische Philharmonie Teplice verpflichtet. Ist das ein Experiment

Göttemann: Ich habe das Orchester in Frankfurt gehört und bin nun gespannt auf die Zusammenarbeit. Wenn die gut wird, wovon ich ausgehe, dann wird der Klangkörper sicher nicht zum letzten Mal in unserer Region zu erleben sein.

Einen Tag vor Ihnen steht Jakub Hruša, neuer Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, auf der Bühne des Theaters. Macht Sie das ein wenig stolz?

Göttemann: Ja sicher, ich betrachte es als Ehre, im Theater Schweinfurt, in einem Haus, in dem internationale Künstler auftreten, dirigieren zu dürfen. Andererseits finde ich es ehrenwert, dass dieses Haus auch den beiden Schweinfurter Chören, dem Konzert-Chor und dem Philharmonischen Chor, offensteht. Beide werden ja vom renommierten Kulturverein Liederkranz Schweinfurt getragen.

In Beethovens Schaffen kann man die „9. Sinfonie“ als Gipfel ansehen. Haben Sie im Sinn, diese später einmal in Schweinfurt auf die Bühne zu bringen?

Göttemann: Ganz genau, das habe ich vor!

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MIT VOLLER KLANGGEWALT: ZWEI CHÖRE SINGEN ZUSAMMEN

Carmina Burana von Carl Orff und Chorfantasie von Ludwig von Beethoven im Theater Schweinfurt

 

Plakat Carmina Burana

Sie heißen KonzertChor Schweinfurt und Philharmonischer Chor Schweinfurt und geben mit über 110 Sängerinnen und Sängern eine Premiere im Theater. Am 26. November 2016 stellen sie sich erstmals dem Schweinfurter Publikum vor.

Der KonzertChor hat als Projektchor in zwei Probenphasen im Juni und Juli und jetzt im Herbst die Werke erarbeitet. Der Philharmonische Chor probt regelmäßig und ist die Weiterentwicklung des Stammchores, der auf viele Jahre erfolgreicher Konzerttätigkeit als Oratorienchor Liederkranz zurückblicken kann.

Es musste dringend eine Umstrukturierung stattfinden: der Verein

Liederkranz Schweinfurt 1833 e. V.

tritt nun als Veranstalter auf, die Chöre hingegen entwickeln sich unter seinem Dach mit neuen Namen und neuen Identitäten, programmatisch und klangvoll: KonzertChor Schweinfurt und Philharmonischer Chor Schweinfurt. Zurzeit werden die Sängerinnen und Sänger von 5 Profis geschult und ausgebildet: Dirigent Matthias Göttemann als künstlerischer Leiter, Chorleiter Mario Gebert, Repetitorin Marie-Sophie Golz sowie die Stimmbildner Yoshie Kaneyasu für die Damen und Elias Wolf für die Herren.

Dies bedingt ein aufwändiges Management, dem sich der Vorstand des Vereins engagiert stellt!.

Zurzeit laufen die Planungen, damit auch in Zukunft für Sängerinnen und Sänger in Stadt und Region Schweinfurt ein solch attraktives Programm geboten werden kann. Das Projekt KonzertChor Schweinfurt hat etwa 65 neue Sängerinnen und Sänger empfangen – seien Sie im nächsten Jahr auch dabei, die Türen stehen offen!

Freuen Sie sich auf eine mitreißende Aufführung!

Die 1937 uraufgeführten Carmina Burana begründeten Orffs weltweiten Erfolg und zählen zu seinen populärsten Werken. Als großes Symbol steht über dem ganzen Werk das Glücksrad  der Fortuna. Das ewige Kreisen der Welt zwischen Glück und Unglück, Aufstieg und Niedergang vertont Orff mit wenigen, immer wiederkehrenden Mitteln. Am Höhepunkt des Werkes singen Blanziflor und Helena eine mitreißende Hymne auf die Liebe.

Chorleiter Matthias Göttemann und der Vorstand des Vereins entschieden sich für die Carmina Burana im Einvernehmen mit Theaterleiter Christian Kreppel. Vor 50 Jahren war zur Eröffnung des Schweinfurter Theaters der damalige Chor des Liederkranz ebenfalls mit diesem Werk aufgetreten.

Ein besonderer Dank gilt der Stadt Schweinfurt für eine langjährige kontinuierliche Konzerttradition im Theater, die jetzt mit KonzertChor und Philharmonischer Chor neuen Schwung aufnehmen möge.

Als großes philharmonisches Orchester wurde die Nordböhmische Philharmonie Teplice verpflichtet. Das 47-köpfige Orchester zählt zu den ältesten Orchestern Europas. Es tritt regelmäßig auf den Konzertbühnen in Prag und im Ausland auf. Zuletzt spielte das Orchester die Carmina Burana in Berlin und Hamburg und wurde von der Presse wegen seiner gelungenen Umsetzung auf der Bühne und der  präsentierten Dramatik gefeiert.

Das Orchester eröffnet das Konzert am 26.11. 2016 im Vorprogramm mit einem weiteren Highlight:

Ludwig van Beethovens Ouvertüre Leonore 3.

Als Solisten konnten die Sopranistin Anna Nesyba aus Kassel, der schwedische Tenor Martin Nyvall und der Bariton Heiko Trinsinger vom Aalto-Musiktheater Essen verpflichtet werden. Die Pianistin Katia Bouscarrut spielt den Klaviersolopart der Chorfantasie von Beethoven.

Der Musicalchor Junge Stimmen aus dem Landkreis Haßberge wird die Kinderchorpartien der Carmina Burana übernehmen.

Die Lübecker Sopranistin Anna Nesyba, Absolventin der Gesangsklasse von Monika Bürgener, studierte an der Hochschule für Musik in Würzburg auch Schulmusik, Violine und Barockvioline. Sie ist Opernsängerin und Gesangsdozentin bei Staatstheater und Universität Kassel. Ihre Zusammenarbeit mit renommierten Chören wie dem Norddeutschen Figuralchor und dem Monteverdichor Würzburg ist auch auf CD und DVD dokumentiert. Sie ist Trägerin nationaler und internationaler Preise.

Bariton Heiko Trinsinger war von 1979 bis 1987 Mitglied des Dresdner Kreuzchores, studierte Gesang an der Musikhochschule seiner Heimatstadt und absolvierte mehrere Meisterkurse. Sein erstes Engagement führte ihn 1994 bis 1996 an das Opernstudio der Bayerischen Staatsoper. Gastverpflichtungen brachten ihn an u. a. an die Staatsopern in Hamburg und München. Außerdem gastiert er, wie schon in der vergangenen Spielzeit, als Lord Ruthven in Marschners „Der Vampyr“ an der Komischen Oper Berlin.

Der schwedische Tenor Martin Nyvall studierte an den Musikhochschulen von Kopenhagen und Karlsruhe. 2004-2009 was er Ensemblemitglied des Luzerners Theaters und trat im Rahmen der Herbert-Karajan-Festspiele im Festspielhaus Baden-Baden auf. Martin Nyvall war mehrfacher Stipendiat seines Heimatlandes Schweden und erhielt 2003 ein Stipendium des Richard-Wagner-Verbandes. Im Mai 2005 sang er beim großen Gedenkkonzert zu Ehren von Graf Lennart Bernadotte auf der Insel Mainau. Seit der Spielzeit 2009/2010 ist Martin Nyvall Ensemblemitglied des Staattheaters Nürnberg.

Katia Bouscarrut wurde in Bordeaux, Frankreich, geboren. Sie studierte an der Hochschule für Musik Würzburg in der Klasse von Prof. Matthies und an der Indiana University in Bloomington, USA, bei Prof. Hokanson Klavier und Liedbegleitung. In dieser Zeit erhielt sie mehrere Preise und Stipendien.

Sie konzertiert international als Solistin, ist eine gefragte Kammermusikpartnerin und Liedbegleiterin und gastiert regelmäßig auf bekannten Festivals. Sie arbeitet häufig als Komponistin von Bühnenmusik und als Pianistin in unterschiedlichsten Theaterproduktionen. So entstand auch ihr Solo-Programm „Die Galaxie im Lungenflügel“, das sie seit zwei Jahren erfolgreich auf verschiedenen Bühnen spielt.

Telefonische Kartenreservierung
an der Theaterkasse unter (09721) 51 4955
beim Bürgerservice  unter (09721) 51 0

Tageskasse am Bühneneingang
Roßbrunnstraße 2 – Telefon: (09721) 51 4955 – Telefax: (09721) 51 4956
(Di, Mi, Fr, Sa 9.30-13.30; Do 14.00-18.00 Uhr)

 Bürgerservice der Stadt Schweinfurt
Markt 1 – Telefon: (09721) 5 10
(Mo bis Do 8.00-18.00 Uhr; Fr 8.00-16.00 Uhr; Sa 9.30-12.00 Uhr)

Abendkasse im unteren Foyer
Geöffnet jeweils eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn

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Der neue Chor nimmt (Klang)Farbe an

STB von Sabine Meißner

Neuer KonzertChor Schweinfurt ist in seine erste Probenphase gestartet –                               – im Blick auf ein  großes Konzert

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Dirigent Matthias Göttemann freut sich über das große Interesse am neuen Projektchor des Liederkranzes. Viele der Sänger haben Erfahrungen, singen in anderen Chören mit.

SCHWEINFURT     Es ist Dienstagabend, 7. Juni, Projektbeginn für den neuen Konzertchor des Vereins Liederkranz Schweinfurt 1833. In der Musikschule stehen die Besucher Schlange. Aber nicht Karten für ein seltenes Konzertereignis lockt 64 Damen und Herren in den dritten Stock des Gebäudes, sondern die Aufforderung: „Sing mit!“

Der Liederkranz und Chorleiter Matthias Göttemann hatten mit einer groß angelegten Werbeaktion dazu aufgerufen, das erste Projekt des neuen Klangkörpers für die Stadt Schweinfurt und die Region mitzugestalten. Am 26. November soll sich im Theater Schweinfurt erweisen, was die Probenarbeit gebracht hat. Dann findet das Konzert statt, für das Göttemann die „Carmina Burana“ von Carl Orff und die „Chorfantasie“ von Ludwig van Beethoven auf das Programm gesetzt hat.

Irmgard Ahlstich-Stahl, Vorsitzende des Vereins, erwartet die neuen Chormitglieder voller Spannung und bestens vorbereitet. An ihr kommt niemand vorbei, ohne seinen Namen, das Alter, die Stimmlage und eine E-Mail-Adresse für zukünftige Kontakte anzugeben. Dafür gibt es Noten, kostenlos als Leihgabe für die Dauer des Projekts.

Als Erste trägt sich Susanne Graf aus Hambach ein. Ihr gefällt, dass die Probentermine auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt sind, sagt die Hobbysängerin. In Karlstadt habe sie einmal die „Carmina“ gehört und sei begeistert gewesen von diesem Werk. Neu ist das Singen im Chor für die Hambacherin nicht, sie sang im Schulchor, im Unichor und später im Lehrerchor, freut sich darauf mitzumachen.

Der Nächste in der Reihe ist Peter Stephan, ein „1. Bass“ aus Poppenhausen. Er singt seit zehn Jahren, mittlerweile in drei Männerchören. Durch diese Zeitung auf das Projekt aufmerksam geworden, habe er drei Freunde zum Mitsingen aufgefordert. Einer von ihnen ist Stefan Ištvan, als „1. Tenor“ so etwas wie Goldstaub für jeden Chor und als Vorsitzender des Ebenhausener Männergesangvereins Liederhort 1930 nicht ohne brauchbare Chorerfahrung.

Während die Vorsitzende alle Ankommenden begrüßt, wieselt Ulrike Bode-Wilke mit den Noten herum. Sie muss mehr Klavierauszüge herbeischaffen als für den ersten Ansturm an Sängern bereit gelegt worden waren. „Aber das ist gut so“, freut sie sich, „denn wir wollen ja möglichst viele für das Projekt gewinnen.“ Bode-Wilke ist Notenwartin des Vereins Liederkranz. Der bleibt ja bestehen. Ob sie zukünftig weiter im Hauptchor mitsinge oder im Konzertchor, wisse sie noch nicht. Schließlich ist sie beruflich zwischen den Hochschulen in Fulda und Schweinfurt viel unterwegs, müsste Probentermine mit ihrem persönlichen Zeitplan koordinieren.

Bei der Notenausgabe und Notierung aller Daten hilft auch Susanne Leisentritt vom Stamm des Liederkranzes. Auch sie wird im Konzertchor mitsingen, als Sopran. Und hofft, „dass die vielen Leute Freude daran haben und dass auch viele länger dabei bleiben“.

Es dauert ein knappe halbe Stunde, bis alle ihre Noten und einen Platz gefunden haben. Göttemann freut sich über das große Interesse. Die letzten Kurzentschlossenen hätten gerade erst um 18 Uhr bei ihm angerufen, sagt er. Und begrüßt später alle mit den Worten „Herzlich Willkommen zum Projekt Carmina Burana im Konzertchor Schweinfurt“. Der Liederkranz, so Göttemann, sei ein ehrwürdiger Verein, der nun neue Wege gehen wolle und ab sofort unter seinem Dach zwei Chöre vereine. Nicht nur der Inhalt, auch der Name werde sich ändern: „Konzertchor steht für Projektchor.“ Diese Variante komme denen entgegen, die zeitweise mitmachen und zusätzlich in anderen Chören singen möchten. Der Philharmonische Chor ist quasi der bisherige Stammchor, in dem auch längerdauernde Gemeinschaften gepflegt werden könnten.

Nachdem Göttemann abgefragt hat, wer Chorerfahrung und wer schon einmal die Carmina gesungen hat, wer ein Instrument spielt oder Noten lesen kann, geht es mit dem Singen los. Der erste vierstimmige Kanon während des Einsingens klingt schon ziemlich hoffnungsvoll. Bis zum großen Konzert im November steht dennoch viel Arbeit an.

Die Proben finden in der Musikschule Schweinfurt, 3. OG, Schultesstraße 17 statt; jeweils dienstags 19:30 Uhr.

1. Probenphase: 7. Juni bis 26. Juli 2016

2. Probenphase: 11. Oktober bis 22. November 2016

Konzerttermin: 26. November 2016, 19:30 Uhr im Theater Schweinfurt

www.liederkranz-schweinfurt.de

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CARMINA BURANA: MIT WUCHT, URKRAFT UND VIEL ELAN JUBEL FÜR KONZERTCHOR UND PHILHARMONISCHEN CHOR SCHWEINFURT

SCHWEINFURTER TAGBLATT VOM 29. NOVEMBER 2016

 


Die minutenlangen Standing Ovations und Bravorufe im restlos ausverkauften Schweinfurter Theater waren verdient: Erstmals unter der Leitung von Matthias Göttemann, lieferten der Philharmonische Chor und der KonzertChor Schweinfurt, beide unter dem Dach des Liederkranz Schweinfurt 1833 vereint und ergänzt durch den Musicalchor Junge Stimmen aus Haßfurt, eine absolut überzeugende und fesselnde Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“ ab.

CHORLEITER MIT NEUEM KONZEPT

Göttemann war ein hohes Risiko eingegangen, als er für den Traditionsverein des Liederkranzes ein neues Format einführte, in welchem sich ein wöchentlich probender Chor parallel zu einem phasenweise arbeitenden Projektchor auf ein gemeinsames Konzert vorbereitete.

Das Konzept des neuen Chorleiters ging auf: Die 150 Sänger waren perfekt vorbereitet und mit großem Engagement bei der Sache, erwiesen sich als stimmlich gut geschult und zu einer Einheit verschmolzen, sangen absolut präzise und wendig, zeigten deutliche Aussprache bis hin zu den gemeinsamen Textabschlüssen.

BESTENS EINGESCHWOREN AUF DEN DIRIGENTEN

Vor allem aber war man auf den Dirigenten und seine Zeichengebung bestens eingeschworen, reagierte sensibel, gestaltete durchdacht, überaus farbig, mit weit gespannten dynamischen Möglichkeiten. Prächtig die Männer- und jubilierend die Frauenstimmen nicht nur bei „Ecce gratum“; überraschend die akzentuierte, mitunter ungewohnte und durchaus mal vom Original abweichende Artikulation („Chramer, gip die varwe mir“). Überwältigend, mit welcher Wucht und Urkraft diese neue Chorformation nun agieren kann, wie zurückhaltend und fein andererseits ein „Chume, chum geselle min“ sanft dahinschwingt.

Vorzügliche Solisten

Mit den Solisten hatte Matthias Göttemann eine vorzügliche Auswahl getroffen: Die Sopranistin Anna Nesyba verstand es, mit ihrer hellen, intensiv strahlenden Stimme verführerisch zu locken und gleichzeitig naive Unschuld zu demonstrieren. Bariton Heiko Trinsinger schmachtete sich in größte Höhen und entfachte loderndes Feuer im sinnlichen Spiel des „Liebeshofs“.

Sein mit Verve geschmettertes „Estuans interius“ geriet geradezu ekstatisch, im wahrsten Sinn des Textes „Mich binden nicht Fesseln“.

Und Tenor Martin Nyvall lieferte in der berühmten Partie des gebratenen Schwans ein dramatisches Ereignis, nicht nur an höchster Sanges-, sondern auch an Schauspielkunst. Man litt, man brutzelte mit ihm im Feuer dahin. Einen kurzen, aber feinen Auftritt hatte Chorstimmbildnerin Yoshie Kaneyasu, die anstelle der nach einer Erkrankung in der dritten Oktave eingeschränkten Nesyba ein „Dulcissime“ in müheloser Höhe hinlegte.

Eröffnung mit der Leonoren-Ouvertüre

Mit Ludwig van Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 hatte Göttemann das Konzert eröffnet. Die Nordböhmische Philharmonie Teplice erwies sich als zuverlässiger Partner, einem eher hellen, denn samtweichen Streicherklang zugeneigt, mitunter jedoch in der Intonation leicht eingetrübt, vor allem in den Bläsern. Der souveräne Dirigent überließ nichts dem Zufall, hatte immer alles im Blick und fing auch reaktionsschnell ein paar kleine Irritationen im Orchester wieder ein.

Florian Glemser als Pianist in Beethovens Fantasie für Klavier, Chor und Orchester nahm seinen Part romantisch, dennoch klar, und konnte jederzeit sein großes Können ausspielen. Seine schlüssige, leicht freie Agogik, seine energischen Tempovorgaben, sein lockeres, dennoch bestimmtes Spiel mit Kontrasten und Charakteren wurden jedoch nicht immer vom Orchester zurückgegeben.

NÄCHSTES PROJEKT IN ARBEIT

Es gab viel Beifall, nicht nur für den jungen Pianisten, nach dieser spannungsvoll aufgebauten und wirkungsvollen Chorfantasie. Und ganz am Ende des Konzertes gab es auch vom Chor Applaus: für Matthias Göttemann, mit dem nun alle mit dem neu gewonnenen Elan das nächste Projekt, Mendelssohns Lobgesang-Sinfonie, angehen werden.

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